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Freitag, 15. Oktober 2004
Die den Nobelpreis tragen.
Man mag von den WissenschaftlerInnen, die den Chemie-, Physik- oder Biologie-Nobelpreis bekommen, halten, was man will, aber vermutlich ist es so, dass hier Kapazitäten auf dem jeweiligen Gebiet ihrer zumeist wohl bahnbrechenden Entdeckungen wegen geehrt werden. Anders sieht es schon beim Literaturnobelpreis aus. Hier werden - Ausnahmen (Elfriede Jelinek z.B.) bestätigen die Regel - die abgetakeltesten unter den abgetakelten Schriftstellern (Günter Grass z.B.) "geehrt", weil sie irgendwann einfach mal dran waren. Meist ist das der Anfang (oft auch das Ende) vom Ende einer literarischen Laufbahn, die irgendwann einmal vielversprechend begonnen hatte.
Schon wesentlich haariger wird's beim Friedensnobelpreis. Weil, wie Wikipedia erläutert, "(im) Gegensatz zu den anderen Nobelpreisen (...) der Friedensnobelpreis an Personen oder Organisationen vergeben werden (kann), die an einem Friedensprozess beteiligt sind und nicht nur für die abschließende Lösung eines Konflikts", deshalb trifft das Friedensnobelpreiskomitee bisweilen Entscheidungen, die - zumal aus heutiger Perspektive - reichlich absurd erscheinen. So kann sich jemand wie Yassir Arafat , der - nicht nur mittelbar - an terroristischen Angriffen beteiligt war und sich auf Kosten derjenigen bereichert hat, als deren "Präsident" er sich begreift, tatsächlich "Friedensnobelpreisträger" nennen.
Zur Schonung der Nerven sollte man es denn auch vermeiden, sich eingehender mit den Ansichten der meisten FriedensnobelpreisträgerInnen (von wenigen Ausnahmen wie Elie Wiesel abgesehen) zu beschäftigen. Jan-Henrik Buschbom hat sich anlässlich der diesjährigen Verleihung des Preises dennoch die Mühe gemacht und auf seinem Weblog einige Äußerungen der Friedensnobelpreisträgerin 2004 Wangari Muta Maathai zusammengetragen. Maathai erzählt zwar nichts Neues, wenn sie feststellt, dass AIDS kein Fluch Gottes sei, weiß aber mehr als wir alle, wenn sie davon berichtet, dass AIDS in den Labors einiger böser Wissenschaftler entwickelt worden sei, um "bestimmte Rassen auszurotten."
Die Steigerung des Friedensnobelpreises aber ist der Right Livelihood Award, der sogenannte Alternative Nobelpreis. Von einer gewissen Komik sind die Hintergünde seiner Stiftung: sein Stifter, ein professioneller Philatelist mit deutscher und schwedischer Staatsangehörigkeit, finanzierte den Preis aus Verkäufen wertvoller Briefmarken. Weniger komisch aber sind die Hintergründe mancher Träger des RLA, den übrigens auch Wangari Muta Maathai im Jahre 1984 stellvertretend für ihr Green Belt Movement bekommen hat. Der RLA hat, wie es sich für ein Projekt gehört, das aus der europäischen Nachkriegslinken und den sogenannten Neuen Sozialen Bewegungen entstand, eine lange Tradition des Antizionismus. So wurde 1987 der israelische Kernphysiker Mordechai Vanunu, der Interna über das israelische Atomprogramm hat publik werden lassen, ausgezeichnet. In den Jahren danach bekamen auch Felicia Langer und Uri Avnery den Preis, beide ebenfalls israelische AntizionistInnen, die deutschen und europäischen Linken besonders gerne als Kronzeugen gegen Israel dienen.
Angesichts der Geschichte des RLA verwundert es also nicht, dass auch der Träger des RLA von 2003, Walden Bello, reichlich verquere Ansichten hat. Die notorisch nationalrevolutionäre Junge Welt bot dem philippinischen Soziologieprofessor und Direktor der thailändischen NGO Focus on the Global South in ihrer gestrigen Ausgabe ein Forum, in dem dieser der Antiglobalisierungsbewegung das Rezept für den "Marsch" aus ihrer Marginalisierung präsentieren durfte: man müsse das Bündnis mit "den arabischen Bewegungen" eingehen.
Was das heisst, dürfte klar sein. Bello tritt für eine offene Zusammenarbeit mit islamistischen und arabisch-nationalistischen (ba'athistischen) Mörderbanden ein: Wo es gegen die USA und Israel geht, da ist auch dem "Linken" Bello jedes Mittel recht.
"Machen wir uns nichts vor: Der Einsatz von Selbstmord als politische Waffe stört weiterhin viele Aktivisten, die von Erklärungen abgestoßen werden wie solchen von palästinensischen Führern, die stolz betonen, daß Selbstmordattentäter auf seiten unterdrückter Menschen das Äquivalent für die F-16 sind. Nennen wir die Dinge beim Namen: Die Tatsache, daß ein großer Teil des Widerstands im Irak und in Palästina islamisch statt säkular motiviert ist, stört immer noch viele westliche Friedensaktivisten. Aber noch nie hat es eine hübsch anzuschauende Bewegung der nationalen Befreiung oder Unabhängigkeit gegeben."
Umstandslos setzt Bello den "Widerstand im Irak und in Palästina" mit dem Vietkong gleich. Damals waren in den USA und Europa Millionen gegen den Vietnam-Krieg auf die Straße gegangen. Und so soll es auch heute wieder sein. Die Stoßrichtung der Analogie ist unschwer zu deuten. Bello schwebt die Antiglobalisierungsbewegung als westliche Fußtruppe des antiamerikanischen, antisemitischen und klerikalfaschistischen Terrors vor.
"Wenn Friedensaktivisten nicht aufhören, ihre Aktionen unausgesprochen von einer Garantie abhängig zu machen, daß eine nach den von ihnen propagierten Werten und Diskursen maßgeschneiderte nationale Befreiungsbewegung an die Macht kommt, werden viele von ihnen weiterhin in dem Paradigma befangen bleiben, anderen Völkern ihre Bedingungen aufzuerlegen."
Noch keiner ihrer Vertreter hat so deutlich gemacht , welche reaktionäre Potenz in der Antiglobalisierungsbewegung steckt.
Walden Bello ist nicht irgendwer, er ist nicht der Vertreter einer verhältnismäßig unbedeutenden österreichischen Politsekte, sondern eine der wichtigsten Figuren der Antiglobaliiserungsbewegung.
Zum Schluss, damit es auch der dümmste Antiimp aus Duisburg versteht, kommt Bello noch einmal auf das zruück, was er als wesentliches Ziel ausgemacht hat:
"Aber lassen Sie mich zum Schluß noch einmal auf unsere dringende Aufgabe zurückkommen, die darin besteht, die USA in Irak und Israel in Palästina zu besiegen."
Der Mann macht seinem Preis alle Ehre.

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